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Ernst Bechert

Ernst Bechert  

Ernst Bechert (DE) – Alle Schlüsse

Ernst Bechert über sein piano piece „Alle Schlüsse“:

„“Alle Schlüsse“ ist eigentlich reiner Beethoven, es klingt nur nicht so. Das Stück besteht aus den Schlusstakten aller Einzelsätze der 32 Klaviersonaten, beginnend mit dem Schlusstakt des ersten Satzes von op.2 Nr.1 und endend mit dem Schlusstakt der Arietta aus op. 111. Die Reihenfolge dazwischen habe ich allerdings äußerst systematisch durcheinandergebracht. Dadurch ergeben sich ganz unerwartetete Kombinationen und Kollisionen. Und alle Takte haben jetzt das gleiche Tempo: 60 Viertel pro Minute, ein gleichmäßig langsames Fortschreiten.
Obwohl ein Schlusstakt doch sehr wenig Spielraum für Individualität lässt (er enthält normalerweise den Grundakkord der Tonart und weiter nichts), gleicht hier kein Takt dem anderen. Man würde vielleicht ständige Akkordschläge im
fortissimo erwarten. Aber es gibt mindestens genausoviele pianissimo-Takte. Und ab und zu erscheint sogar ein kleines melodisches Motiv. Als hätte man ein Stück von Beethoven gerade verpasst…“

Piano piece „Alle Schlüsse“ – Aufführungen:

21. April 2018 – Uraufführung – Klavierhaus Klavins, Bonn – Susanne Kessel, Klavier

Ernst Bechert (*1958),

geboren in Würzburg, studierte Komposition an der Musikhochschule Hamburg bei Ulrich Leyendecker und in Italien bei Luciano Berio, daneben Mathematik und Musikpädagogik.
Er erhielt zahlreiche Kompositionsaufträge vom Deutschen Sinfonieorchester Berlin, Scharoun-Ensemble, NDR, WDR, Radio Bremen, dem Kulturzentrum Kampnagel Hamburg, dem A*DEvantgarde-Festival München u.a. und arbeitete mit Musikern wie Heiner Goebbels, Marc Ribot, Christian Wolff, Riccardo Chailly und Arturo Tamayo zusammen. Neben Orchesterwerken und Kammermusik schrieb er mehrere Werke für Musiktheater (u.a. DER SCHMUTZ, uraufgeführt auf der Münchner Biennale für Musiktheater). Er komponierte einige Filmmusiken und rund 90 Bühnenmusiken für Theater in Deutschland und den Nachbarländern, in Zusammenarbeit mit den Regisseurinnen Barbara Bilabel, Gisela Höhne, Alize Zandwijk, den Regisseuren David Mouchtar-Samorai, Dominique Schnizer und anderen.
Er erhielt mehrere Kompositionspreise: unter anderem den Projektförderpreis des RSO Berlin 1984, den Preis der GEMA-Stiftung für Orchesterkomposition 1985, Preis der „Tribune Internationale des Compositeurs“ Paris 1985, das Villa-Massimo-Stipendium in Rom 1993, die Auszeichnung des Netzwerks „Junge Ohren“ 2007.
Bis 2006 lehrte er Komposition an der Musikhochschule Mannheim.
Als Pianist und Posaunist spielt er in verschiedenen Ensembles, u.a. bei derMicro-Oper München, der Hamburger Brassband „Tuten & Blasen“ und der „Komponistenverschwörung“. Seit 2015 ist er im Leitungsteam des Hamburger Festivals für experimentelle Musik „klub katarakt“.

Website Ernst Bechert