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Friedrich Jaecker

Friedrich Jaecker (Foto: Viola Lopes)  

Friedrich Jaecker (DE) – 110

Friedrich Jaecker über sein piano piece „110“:

„Das Schwanken zwischen klagendem Gesang und konstruktivem Zugriff, zwischen Ermattung und neuem Aufleben lassen den dritten Satz der Klaviersonate Opus 110 von Ludwig van Beethoven wie ein seelisches Protokoll des Komponisten erscheinen, ganz so, als teile er uns hier intimste Dinge mit. Gleichzeitig ist die musikalische Faktur von höchster formaler und satztechnischer Raffinesse. Metrische, rhythmische und agogische Wechsel sorgen auch in 110 für eine ständige Verwandlung ähnlicher Gestalten. Wechselnde harmonische Bezüge lassen scheinbar Gleiches in neuem Licht erscheinen, bis in den mikrotonalen Bereich hinein. Kein Takt ist wie der andere – selbst dann nicht, wenn, wie es am Schluss der Fall ist, die untergründige Mechanik der Satzstruktur offen zutage tritt.“

Piano piece „110“ – Aufführungen:

Friedrich Jaecker (*1950)

studierte in Detmold und Hamburg bei György Ligeti und ist seit 1980 Professor an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Als Komponist begann er konstruktivistisch, etwa in seinem Orchesterstück TURMALIN (1984). In den Neunzigerjahren wandte er sich intensiv der Beobachtung des Kompositionsprozesses zu und entwickelte so eine äußerst sparsame, „reine“ Musiksprache. Eine Reihe von Ensemble- und Kammermusikwerken aus dieser Zeit sind auf zwei Portrait-CDs zu hören (Talking Music 1998 und Cybele 2001). In der Folge erkundete er verstärkt, inwieweit expressive oder semantische Elemente von der Musik angenommen werden. Beispiele hierfür sind das Ensemblestück LÄNDLER (2001) oder WASSER, ROSEN für sieben Stimmen (2007). In der letzten Zeit bezieht er vermehrt den Raum als musikalisches Element ein, so in HARRY’S DREAM (2012), IN UNS für 25 Stimmen in 5 Gruppen (2013) oder 2ND FLOOR für 12 Klaviere, 12 Registranten und 7 Kontrabässe (2016).

 

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