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Sascha Janko Dragićević

Sascha Janko Dragićević (Foto: Frank Korte)  

Sascha Janko Dragićević (DE) – 20 b

Sascha Janko Dragićević über sein piano piece „20 b“:

„Grundlage von“ 20 b“ ist die Variation Nr. 20 der Diabelli-Variationen von Beethoven. Es handelt sich um eine Variation über diese Variation.

Der Begriff „Grundlage“ ist wörtlich zu verstehen: das Original ist durchgehend in unterschiedlich stark veränderter Form vorhanden. So sind die ersten 16 Takte um zwei Oktaven nach oben gelegt, einzelne Töne der Akkorde sind chromatisch versetzt. Die Zeitstruktur hingegen bleibt unverändert. Diese leicht manipulierte Grundschicht wird nun gleichsam übermalt. In die Beethoven’schen Kanons und Imitationen schieben sich weitere dichte Kanons, welche die Harmonien nicht nur anwachsen lassen, sondern diese auch in meine eigene Sprachlichkeit und somit ins Jahr 2019 überführen. Über die kontemplativen Akkordprogressionen schichten sich des weiteren seltsame Fremdkörper. Dies sind zunächst nur einzelne kurze Töne, aus denen zunehmend figurative Gestalten anwachsen.

Gegen Ende bricht für kurze Momente der originale Beethoven’sche Satz durch, im fortissimo, anstatt wie im Original im piano, als wolle dieser sich vehement Gehör verschaffen. Es ist dies die Schlusskadenz über dem Grundton der Tonart C-dur. Die Fremdkörper führen dazu, dass der Beethoven’sche Satz wieder zum piano wechselt, in dem Moment, in dem die Subdominante vermollt wird, kurz für sich steht und über dominantische Gefüge schließlich zum Schluss führt: einem Gemisch aus C-dur und C-moll.

Die Variation Nr. 20 erfüllt eine wichtige dramaturgische Funktion in den Diabelli-Variationen. Betrachten wir das kleine Stück losgelöst von seinem monumentalen Kontext, so erkennen wir vielleicht noch deutlicher seine Sonderbarkeit, die mich angezogen und zu meiner kleinen Komposition veranlasst hat.“

„20 b“ – Aufführungen:

Sascha Janko Dragićević (*1969)

in Bonn geboren und aufgewachsen, studierte Sascha Dragićević ab 1990 an der Musikhochschule Köln Komposition bei York Höller und Krzysztof Meyer, elektronische Komposition bei Hans Ulrich Humpert, sowie Klavier bei Klaus Oldemeyer.Er belegte Kompositionskurse bei György Ligeti, Helmut Lachenmann, Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel, Klaus Huber und Georg Katzer.SeineMusik wird international von namhaften Interpreten aufgeführt. Aktuelle Zusammenarbeiten verbinden ihn u.a. mit Collegium Novum Zürich, Ensemble Adapter, Ensemble Lux:NM, Ensemble Modern, Internationale Ensemble Modern Akademie, Ensemble Cairn, Minguet-Quartett, Ensemble e-mex, Susanne Kessel, Johannes Schwarz, Sascha Armbruster, Peter Rundel, Jonathan Stockhammer, Gregor A. Mayrhofer.Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, so z.B. 2014 das Paris-Stipendium an der Cité Internationale des Arts Paris. 2012 war er Artist in Residence am Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST) in Zürich, 2011 erhielt er das Kompositionsstipendium des Berliner Senats. 2010 arbeitete er als Stipendiat am Institut für Musik und Akustik desZKM in Karlsruhe, 2008 am Studio für elektroakustische Musik der Hochschule für Musik Weimar. Ebenfalls 2008 war er Stipendiat amKünstlerhaus Lukas, Ahrenshoop (und wird es 2020 wieder sein). 2007 erhielt er den Franz-Liszt-Förderpreis beim internationalen Komponistenworkshop in Weimar, 2004 das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln, 2002 den Förderpreis des Vereins der Opernfreunde Bonn.1999 war er als Komponist und Pianist erster Preisträger beim internationalen AVW Piano Composers Cup. 1999 erhielt er den ersten Preis beim 13. internationalen Kompositionswettbewerb der Musiktage Hitzacker, sowie 1998 ebenfalls den ersten Preis beim Kompositionswettbewerb „Forum Ost/West“, Köln. Als Pianist konzertiert Sascha Dragićević v.a. mit eigenen Werken. Er arbeitet im Bereich des Jazz und der Improvisierten Musik und tritt als Klangregisseur und live-Elektroniker bei Aufführungen der eigenen Werke auf.

Website Sascha Janko Dragićević

Sascha Janko Dragićević über Ludwig van Beethoven:

„Beethoven begleitet mich seit frühester Kindheit. Die Begenung mit ihm war ein wichtiger Urgrund meines eigenen Komponierens. Mein Verhältnis zu ihm hat sich im Laufe der Jahrzehnte naturgemäß ausdifferenziert, aber keinesfalls abgekühlt. Im Gegenteil. 250 Jahre sind als Zäsur gut geeignet, einmal mehr neu über diesen Künstler nachzudenken. Ich habe bereits damit begonnen.“