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Alexandra Klein

Alexandra Klein (Foto: Jean M. Laffitau)  

Alexandra Klein (DE) – Beethovens Locke - Bonn(e) B.

Alexandra Klein über ihr piano piece „Beethovens Locke – Bonn(e) B.“:

Beethoven ist seit meiner Kindheit und Jugendzeit mein Lieblingskomponist; als Mädchen hatte ich eine dementsprechend lockenähnliche Frisur. Durch regelmäßige Urlaube kenne ich alle Beethovenwohnungen in Wien; dort konnte ich Beethovens Locke in einer Glasvitrine noch sehen.

– Bonn(e) B. ist im Titel geheimnisvoll mehrdeutig: steht für Bonn, für frz. Gut, B. steht für Beethoven, Bach, Barock, für frz. Boucle = Locke, Schleife.

Beethovens Musik strebt dem Finale entgegen; mein Klavierstück ´beginnt´ mit der Schluss-Stretta der zweistimmigen Orgelfuge D-Dur WoO 31, welche der 13-jährige Beethoven 1783 zur Erprüfung zum stellvertretenden Hoforganist in Bonn komponierte und spielte, erst posthum gedruckt und veröffentlicht.  Orgelpunkt, lediglich Fugato/Imitation, Unisono, poetischer Kontrapunkt, Abspaltung, Liquidierung, Akkorde, lassen Beethovens  typische  Merkmale bereits erkennen. Weiteres Material (= Lieblingssujets) meiner Komposition als poetische Idee  sind die Anfangsakkorde und das Unisono des Gellert-Liedes „Die Himmel rühmen“, welches ich schon als Jugendliche meinen Vater begleitete, sowie als musikalisches Reverenzzitat die ersten vier Takte der Fuga Polimetrica aus der Partita für zwei Klaviere von York Höller. Alles steht miteinander in Verbindung, wird weitergeführt, abgebrochen, wieder aufgegriffen, fallen gelassen.

Beethovens Locke – Bonn(e) B. ist der Pianistin Susanne Kessel gewidmet. Bisher war ich als Komponistin ausschließlich selbst die Interpretin meiner Klavierwerke und meines Orgelwerks. Improvisieren und Fantasieren am Klavier, wichtige Inspirationsquelle für Beethoven und seine Stärke, geht auch meinem Notieren voraus. Es ist für mich sehr spannend, dass meine aufgeschriebenen Noten jetzt auch von anderen Klavierspielern gespielt, interpretiert, zu Gehör und zum Erklingen gebracht werden.  „Eine Fuge zu machen ist keine Kunst, ich habe deren zu Dutzenden in meiner Studienzeit gemacht. Aber die Phantasie will auch ihr recht behaupten, und heut´zu Tage muss in die alt hergebrachte Form ein anderes, ein wirklich poetisches Element kommen.“ (L. v. Beethoven über die Große Fuge).“

„Beethovens Locke – Bonn(e) B.“ – Aufführungen:

14. Dezember 2019 – Uraufführung – „Offene Tür Dürenstraße 2“, Bonn – Susanne Kessel, Klavier

Alexandra Klein (*1972)

Alexandra Klein, geb. in St. Wendel/Saarland, erblindete im Alter von 17 Jahren.

Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, begann ihre musikalische Ausbildung im 4. Lebensjahr; seitdem Auftritte mit ihren Instrumenten Blockflöte und Klavier. Besuche von Orchesterproben und Konzerten, ihr frühes Interesse für Neue Musik und Komponisten und erste eigene Kompositionen wie eine „Beethoven-Sonatine“ prägten ihre Kindheit und Jugendzeit.

Schülerin an der Bayerischen Landesschule für Blinde, München, Berufsfachschule für Musik Abschluss; Stipendiatin der Stiftung zur Förderung körperbehinderter Hochbegabter Vaduz/Liechtenstein; Regelmäßige Konzertbesuche im Münchener Gasteig und persönliche Treffen mit Musikerpersönlichkeiten wie Sergiu Celibidache, Daniel Barenboim, Lorin Maazel, Anne-Sophie Mutter und York Höller; Gasthörerin bei den musikalischen Diskussionsrunden „Gespräche am Kamin“ und bei den Theorie- und Analyseseminaren von Clemens Kühn; Uraufführung mit Werkkommentar ihrer Komposition „M a t t h i a s e k n a H – Versuch einer Orgelkomposition über eine Zwölftonreihe Op. 3“.

Studium der Musikerziehung mit Abschluss Diplom an der Hochschule für Musik und Theater Saarbrücken; Hauptfach Blockflöte bei Wolfram Koch, Diplomarbeit über „Aspekte der Musikerziehung bei Blinden und Sehbehinderten“ bei Michael Dartsch; Musiktheorie bei Margret Peter-Conrad.

Ausbildung zur katholischen C-Kirchenmusikerin im Bistum Trier, Orgel bei Werner Grothusmann, Saarbrücken; Organistentätigkeit in der Pfarreiengemeinschaft St. Wendel, dann freiberufliche Organistin; Orgelmeisterkurs bei Marie-Louise Langlais, Paris; Kontakt zum INJA Paris und zu Dominique Levacque (Orgel, Harmonielehre); Mitwirkung bei der deutsch-französischen Konzertplanung in den Chroniques Musicales und bei UGAMPA. Erste blinde deutsche Organistin an der INJA-Saalorgel Cavaillé-Coll/Gonzales.

Während des gesamten Studiums Komponistin in der Kompositionsklasse von Theo Brandmüller (1948-2012); Analyse, Neue Satzlehre und Komponistentreff, u.a. Uraufführung zu seinem 50. Geburtstag in der Ludwigskirche Saarbrücken´, „Kleines Stück für Bläserensemble“ in ´German-Brass-Besetzung´.

Reger Austausch mit dem Kölner Komponisten York Höller (schriftlich, Konzertbesuche, intensive persönlich-thematische Gespräche, Kompositionsstudien, Kompositionstechnik und Werkkommentare, Computernotation). Uraufführung mit Werkkommentar ihrer Klavierkomposition „Kymbălon“ im Schloss Morsbroich Leverkusen, York Höller zum 75. Geburtstag gewidmet.

Als erste Einzelperson erhielt sie den „Integrationspreis des Saarlandes 2007“ für ihre selbständige Unterrichtstätigkeit und das Engagement in der Arbeit mit sehenden, sehgeschädigten und mehrfach behinderten Menschen; Gefragte Ansprechpartnerin für Schulen, Studierende und Berufseinsteiger zu den Themen „Blindheit“, „Musik“ und „Inklusion“.

Öffentliche Porträtierungen im ZDF Infokanal, ZDF heute – in Europa, SR Aktueller Bericht, Saarbrücker Zeitung, Wochenspiegel Saarland, VdK-Mitgliederzeitung im Internet und VdK-TV.